Beim Warenkauf zwischen Polen und Deutschland gibt es innerhalb der EU normalerweise keine klassische Zollabfertigung wie bei einem Import aus einem Drittland. Trotzdem sind Incoterms entscheidend. Sie legen fest, wer Transport organisiert, wer bestimmte Kosten trägt und an welchem Punkt das Transportrisiko vom Verkäufer auf den Käufer übergeht.

Für viele mittelständische Einkäufe sind EXW, FCA und DAP die drei Klauseln, die besonders häufig diskutiert werden. Sie sehen ähnlich aus, verteilen Verantwortung aber sehr unterschiedlich.

Incoterms regeln nicht alles

Incoterms sind standardisierte Lieferklauseln. Sie ersetzen keinen Kaufvertrag und bestimmen nicht automatisch Eigentumsübergang, Zahlungsziel, Gewährleistung oder steuerliche Behandlung. Diese Punkte müssen separat geregelt werden.

  • Wer beauftragt den Transport?
  • Welche Partei trägt welche Transportkosten?
  • Ab wann trägt der Käufer das Risiko für Verlust oder Beschädigung?

EXW – Ex Works: möglichst wenig Aufgabe beim Verkäufer

Bei EXW stellt der Verkäufer die Ware an seinem benannten Ort zur Verfügung, etwa in seinem Werk oder Lager. Der Käufer organisiert den weiteren Transport.

Das wirkt attraktiv, wenn Sie einen eigenen Spediteur haben. In der Praxis muss jedoch genau geklärt werden, wie die Ware auf das Fahrzeug kommt. Wird erwartet, dass das Werk verladen soll, sollte das ausdrücklich vereinbart oder eine passendere Klausel gewählt werden.

Wann EXW sinnvoll sein kann

  • Sie haben einen festen Spediteur in Polen.
  • Sie bündeln Ware von mehreren Lieferanten.
  • Sie möchten Frachtkosten selbst verhandeln.
  • Abholfenster und Ladebedingungen sind klar.

FCA – Free Carrier: oft praktischer bei professioneller Abholung

FCA lässt sich mit einem benannten Ort vereinbaren. Der Verkäufer übergibt die Ware dem vom Käufer bestimmten Frachtführer. Je nach vereinbartem Ort ist auch die Verladung auf dem Gelände des Verkäufers Teil seiner Aufgabe.

Für regelmäßige B2B-Abholungen ist FCA deshalb oft klarer als EXW. Der Käufer behält die Kontrolle über die Spedition, während die Übergabe an den Frachtführer sauber definiert werden kann.

Beispiel

Sie kaufen 12 Paletten bei einem Hersteller in Poznań. Vereinbart wird „FCA Werk Poznań, Incoterms 2020“. Ihr deutscher Spediteur meldet den Lkw an. Der Verkäufer bereitet die Paletten vor und übergibt sie am benannten Ort gemäß der vereinbarten FCA-Regel. Ab dem definierten Übergabepunkt liegt das Transportrisiko beim Käufer.

DAP – Delivered at Place: Verkäufer organisiert bis zum Zielort

Bei DAP organisiert der Verkäufer den Transport bis zum benannten Bestimmungsort. Die Ware wird dort zur Entladung bereitgestellt. Das ist komfortabel für Käufer, die keine eigene Frachtorganisation aufbauen möchten.

Wichtig ist die genaue Ortsangabe. „DAP Deutschland“ ist zu unpräzise. Besser ist eine konkrete Lieferadresse oder ein eindeutig benanntes Lager.

Was Sie bei DAP trotzdem prüfen sollten

  • Ist Entladung im Preis enthalten? Bei DAP grundsätzlich nicht automatisch.
  • Welche Lieferzeit und welches Zeitfenster gelten?
  • Wer ist Ansprechpartner bei Transportschäden?
  • Welcher Frachtführer wird genutzt?
  • Wie werden Zusatzkosten für Hebebühne, Avis oder Wartezeit behandelt?

EXW, FCA oder DAP im direkten Vergleich

Kriterium EXW FCA DAP
Transport organisiert typischerweise Käufer Käufer Verkäufer
Kontrolle über Spedition hoch beim Käufer hoch beim Käufer eher beim Verkäufer
Übergabe am benannten Ort des Verkäufers an den Frachtführer am benannten Ort am benannten Zielort, bereit zur Entladung
Geeignet für erfahrene Selbstabholer strukturierte B2B-Abholung Käufer, die Lieferung bis zum Ziel wünschen

Warum der niedrigste Warenpreis nicht automatisch die günstigste Lieferbedingung ist

Ein Lieferant kann bei EXW einen sehr niedrigen Preis nennen. Wenn Ihr Spediteur aber zusätzliche Abholgebühren, lange Wartezeiten oder teure Kleinsendungen berechnet, kann ein höherer DAP-Preis günstiger sein.

Vergleichen Sie deshalb immer den Gesamtpreis bis zu Ihrem nutzbaren Lagerbestand: Warenwert, Verpackung, Paletten, Fracht, Zusatzleistungen, Versicherung und interner Aufwand.

Definieren Sie den benannten Ort vollständig

Die Klausel allein reicht nicht. Schreiben Sie zum Beispiel nicht nur „FCA“, sondern „FCA [vollständiger Ort], Incoterms 2020“. Dasselbe gilt für DAP. Der Ort beeinflusst den Risikoübergang und verhindert später Diskussionen über eine zusätzliche Strecke.

Transportschaden: Der Risikoübergang ist entscheidend

Wenn eine Palette beschädigt ankommt, ist die erste Frage nicht nur, wer die Fracht bezahlt hat. Entscheidend ist, wer zum Zeitpunkt des Schadens das Risiko trug und welche Ansprüche gegen Frachtführer oder Vertragspartner bestehen.

Dokumentieren Sie deshalb beschädigte Verpackungen sofort bei Anlieferung, machen Sie Fotos und lassen Sie sichtbare Schäden auf dem Abliefernachweis vermerken.

Welche Klausel passt zu welchem Einkauf?

EXW kann passen, wenn Sie die Abholung vollständig beherrschen und die Ladepraxis sauber geregelt ist. FCA ist häufig sinnvoll, wenn Ihr Spediteur abholt, Sie aber eine klarere Übergabe wünschen. DAP eignet sich, wenn der polnische Lieferant Transport bis zu Ihrem Lager organisieren soll.

Wenn Sie noch prüfen, mit wem Sie überhaupt zusammenarbeiten, lesen Sie auch Hersteller oder Zwischenhändler in Polen prüfen. Für einen allgemeinen Einstieg gibt es außerdem den Beitrag Waren aus Polen importieren.

Checkliste vor der Bestellung

  • Incoterm plus Version nennen, zum Beispiel Incoterms 2020.
  • Benannten Ort vollständig eintragen.
  • Verladung und Entladung ausdrücklich klären.
  • Frachtversicherung und Schadensprozess abstimmen.
  • Lieferzeit und Avisierung vereinbaren.
  • Zusatzkosten für Paletten, Wartezeit oder Sonderzustellung festlegen.
  • Zahlungs- und Eigentumsfragen separat im Vertrag regeln.

FAQ

Fallen bei Waren aus Polen nach Deutschland Zölle an?

Bei normalem Warenverkehr zwischen EU-Mitgliedstaaten gibt es grundsätzlich keine klassische Importzollabfertigung wie beim Bezug aus einem Drittland. Steuerliche und produktrechtliche Pflichten können trotzdem bestehen.

Ist DAP dasselbe wie „frei Haus“?

Nicht automatisch. DAP hat eine definierte Risikologik und schließt die Entladung am Zielort nicht automatisch ein. Umgangssprachliche Begriffe sollten durch eine klare Incoterm-Klausel ersetzt werden.

Ist FCA besser als EXW?

Nicht generell, aber bei professionellen Abholungen kann FCA klarer sein, weil die Übergabe an den Frachtführer und je nach Ort auch die Verladung besser abbildbar sind.

Welche Incoterms-Version sollte im Vertrag stehen?

Schreiben Sie die verwendete Version ausdrücklich dazu, zum Beispiel „Incoterms 2020“, damit beide Parteien mit demselben Regelwerk arbeiten.

Von admin