Ob ein deutscher Käufer einen polnischen Lieferanten besser in EUR oder PLN bezahlt, lässt sich nicht allein am sichtbaren Wechselkurs entscheiden. Entscheidend ist der Gesamtpreis nach Umrechnung, Bankaufschlag, Überweisungsgebühr und dem Währungsrisiko zwischen Bestellung, Rechnung und Zahlung.

Ein Angebot von 100.000 PLN kann heute günstiger wirken als ein Festpreis in Euro und zwei Wochen später teurer sein. Umgekehrt kann ein Lieferant für eine EUR-Rechnung einen Sicherheitsaufschlag einkalkulieren, weil er selbst das Wechselkursrisiko trägt. Die wirtschaftlich bessere Währung ist deshalb diejenige, bei der der gesamte Beschaffungspreis am besten kontrollierbar ist.

Der erste Fehler: ECB-Referenzkurs mit dem Bankkurs verwechseln

Die Europäische Zentralbank veröffentlicht an Arbeitstagen Euro-Referenzkurse. Am 5. Oktober 2026 lag der veröffentlichte PLN-Referenzkurs beispielsweise bei 4,3795 PLN je EUR. Die EZB weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Referenzkurse zu Informationszwecken veröffentlicht werden und ihre Verwendung für Transaktionen nicht empfohlen wird.

Das ist wichtig: Ihre Bank, Kreditkarte oder Zahlungsplattform kann einen anderen Kurs verwenden und zusätzlich eine Marge berechnen. Für die Kalkulation zählt also nicht nur „EUR/PLN im Internet“, sondern der tatsächlich angebotene Devisenkurs.

So vergleichen Sie ein Angebot in PLN und EUR

Angenommen, ein Lieferant bietet dieselbe Ware zu zwei Preisen an:

  • 100.000 PLN oder
  • 23.300 EUR.

Bei einem theoretischen Kurs von 4,38 PLN/EUR entsprechen 100.000 PLN rund 22.831 EUR. Das PLN-Angebot sieht damit etwa 469 EUR günstiger aus. Wenn Ihre Bank jedoch bei der Konvertierung einen Aufschlag von 1,5% erhebt, steigt der effektive Gegenwert um rund 342 EUR. Hinzu können Überweisungsgebühren kommen. Der nominelle Vorteil schrumpft erheblich.

Deshalb sollte der Vergleich immer mit dem konkreten Händlerkurs Ihrer Bank oder FX-Plattform erfolgen.

Welche Kosten gehören in die Währungsrechnung?

Kostenblock Was prüfen?
Warenpreis Festpreis oder an einen Kurs gekoppelt?
FX-Marge Differenz zwischen Markt-/Referenzkurs und Ihrem Ausführungskurs
Überweisungsgebühr Feste Gebühr, prozentuale Gebühr, Empfängergebühr
Korrespondenzbank Kann bei bestimmten internationalen Zahlwegen zusätzliche Kosten verursachen
Zahlungszeitpunkt Wie viele Tage liegen zwischen Bestellung und Zahlung?
Teilzahlungen Anzahlung und Restbetrag können zu unterschiedlichen Kursen umgerechnet werden
Rückerstattung/Gutschrift Kann zu einem anderen Kurs erfolgen als die ursprüngliche Zahlung

Wann EUR für den deutschen Käufer praktisch sein kann

Eine EUR-Rechnung vereinfacht die Kalkulation, wenn Umsatz und Kosten überwiegend in Euro entstehen. Der Käufer kennt den Eurobetrag und trägt für diese konkrete Rechnung kein EUR/PLN-Risiko. Das ist besonders hilfreich bei niedrigen Margen, langfristigen Lieferverträgen und Angeboten an eigene Kunden, die bereits in Euro fest zugesagt wurden.

Der Komfort kann allerdings eingepreist sein. Ein polnischer Lieferant, der seine Löhne, Energie oder lokale Kosten in PLN trägt, muss bei einem festen EUR-Preis selbst mit Kursschwankungen umgehen.

Wann PLN sinnvoll sein kann

PLN kann interessant sein, wenn der Lieferant in seiner Heimatwährung deutlich bessere Konditionen anbietet und der Käufer kostengünstig konvertieren kann. Auch Unternehmen mit regelmäßigen PLN-Einnahmen oder einem PLN-Konto können natürliche Gegenpositionen haben, sodass weniger Konvertierung nötig ist.

Der Vorteil sollte aber messbar sein. „In Polen ist PLN immer billiger“ ist keine belastbare Einkaufsregel.

Bestellung heute, Zahlung in 30 Tagen: das eigentliche Währungsrisiko

Wenn der Preis in PLN feststeht, der Käufer aber erst später bezahlt, ist der Euro-Gegenwert bis zum Zahlungstag offen. Wird der Zloty gegenüber dem Euro stärker, werden für dieselben 100.000 PLN mehr Euro benötigt. Wird er schwächer, sinkt der Eurobetrag.

Bei kleinen Bestellungen kann dieses Risiko akzeptabel sein. Bei großen oder wiederkehrenden Bestellungen kann es sinnvoll sein, mit der Bank über Möglichkeiten zur Absicherung zu sprechen. Welche Instrumente wirtschaftlich und regulatorisch passen, hängt vom Unternehmen ab.

Eine saubere Bestellung sollte die Währung eindeutig festlegen

Im Purchase Order oder Vertrag sollten mindestens stehen:

  • Währung des Warenpreises;
  • Währung der Rechnung und Zahlung;
  • Zahlungsfrist;
  • Bankverbindung und Kontowährung;
  • wer Bank- und Zwischenbankgebühren trägt;
  • Regel für Preisänderungen, wenn der Lieferant einen Wechselkursmechanismus verwendet;
  • Währung von Gutschriften und Rückerstattungen.

Besonders problematisch sind Formulierungen wie „Preis 20.000 EUR, zahlbar in PLN nach aktuellem Kurs“, wenn nicht definiert ist, welcher Kurs, welcher Tag und welche Quelle gelten.

Ein einfaches Verfahren für den Einkauf

  1. Lassen Sie sich bei größeren Bestellungen nach Möglichkeit den Preis in beiden Währungen geben.
  2. Notieren Sie den tatsächlichen FX-Kurs Ihrer Bank oder Zahlungsplattform, nicht nur einen öffentlichen Referenzkurs.
  3. Rechnen Sie alle Zahlungsgebühren in den Warenwert ein.
  4. Simulieren Sie eine Kursbewegung von beispielsweise 2%, 5% und 10% bis zum Zahlungstag.
  5. Vergleichen Sie den möglichen Währungsverlust mit Ihrer geplanten Handelsmarge.
  6. Bei wiederkehrenden Käufen: werten Sie nach einigen Monaten den durchschnittlichen realen Umrechnungskurs aus.

Der richtige Vergleich heißt „landed cost in Ihrer Ergebniswährung“

Währung ist nur ein Teil der Beschaffungskosten. Für die Entscheidung zwischen Lieferanten sollten Warenpreis, Transport, Verpackung, Bankkosten, eventuelle Zölle bei Drittlandsbestandteilen, Versicherung, Qualitätskosten und Wechselkurse gemeinsam betrachtet werden.

Bei innergemeinschaftlichen Einkäufen zwischen Polen und Deutschland ist zusätzlich die umsatzsteuerliche Behandlung der konkreten Transaktion korrekt zu dokumentieren. Die Frage EUR oder PLN ändert nicht automatisch die umsatzsteuerliche Einordnung.

Datenquelle für Wechselkurse

Von admin